Must-Have´s und No-Go´s

Die gängigsten (Un-) Dinge Teil 1

Hier finden Sie eine Übersicht über einige auf dem Markt befindlichen Erziehungshilfen und deren Verwendung

Halti/Gentle Leader
Halti und Gentle Leader haben das Aussehen eines Pferdehalfters und werden oft mit einem Maulkorb verwechselt. Sie ermöglichen dem Hund zu hecheln, gähnen, trinken und bellen und tlw. auch zu beißen. Sie wirken auf den Hund ein, indem der Kopf des Hundes durch den Besitzer vom Objekt abgewendet werden kann (Unterbrechung des Blickkontaktes). Bei Verwendung von Halti / Gentle Leader darf der Hund nie an einer langen Leine geführt werden. Wenn der Hund aus dem Lauf herumgerissen wird kann es zu schweren Verletzungen im Hals(Wirbelsäulen-)bereich kommen! Das Halti selbst hat keinerlei erzieherischen Einfluss auf den Hund und eine inadäquate Verwendung muss unterbleiben und führt auch nicht zum gewünschten Erfolg. Diese Hilfsmittel sollten nicht als Dauereinrichtung verwendet, sondern nur als Unterstützung während einem Umlernprozess gemeinsam mit einem sehr gut ausgebildeten Trainer (da der korrekte Einsatz nicht leicht zu erlernen ist) eingesetzt werden.

Legleader
Der Legleader ist eine Führ- und Halteleine, die am Oberschenkel des Besitzers befestigt wird. Der Hund wird so gezwungen, den Bewegungen des Besitzers zu folgen. Der Legleader selbst hat keine erzieherische Wirkung auf den Hund. Der Legleader kann kurzfristig eingesetzt werden, wenn ein noch nicht „bei Fuß“ gehender Hund sicher geführt werden soll, der Besitzer aber keine Möglichkeit hat, eine Leine zu halten (Tragetätigkeit, Handicap z.B. gebrochener Arm…).

Gentle Dog

Mit diesem „Hilfsmittel“ soll dem Hund das Ziehen an der Leine abgewöhnt werden. Zieht der Hund an der Leine, spannen sich zwei Riemen die vom Halsband unter den Achseln verlaufen. Dies ist für den Hund äußerst schmerzhaft und es kann zu wunden Stellen unter den Achseln kommen. In extremen Fällen, bei stark ziehenden Hunden, kann es zur Lahmheit an den Vorderbeinen und weiteren Verletzungen kommen. Das Gentle Dog selbst hat keinen erzieherischen Einfluss auf den Hund, durch den Schmerz kann es zu gegenteiligen, unerwünschten Verhaltensweisen kommen. Das Gentle Dog kann als „schwarzes Schaf“ unter den Brustgeschirren bezeichnet werden und vom Gebrauch dieses Hilfsmittels ist dringend abzuraten.

Easy Walk "Professional
Dabei handelt es sich um einen breiten Brustgurt, bei dem die Leine vor dem Brustkorb eingehängt wird. Der Hund wird quasi über „vorne“ geführt und gelenkt. Es ist eine Führhilfe, mittels der der Hund auf schonende Weise ein ruhiges Gehen an der Seite des Hundeführers lernen soll. Es dient der Erziehung und ist kein Laufgeschirr zum Dauergebrauch.
Hier gibt es bereits Nachahmerfirmen, die Brustgeschirre ähnlich nennen. Wobei die Gurte oftmals extrem dünn sind und daher extrem einschneiden und Schmerzen versuchen können.

Stachelhalsbänder/Korallenhalsbänder
Zu Stachelhalsbändern muss nicht viel gesagt werden, außer, dass sie in Österreich verboten sind (egal ob angeschärft oder stumpf). Bei Verwendung handelt es sich um schwerste Tierquälerei, ohne erzieherischen Hintergrund.
Außerdem kann es zu schweren Verletzungen beim Tier (Kehlkopf, Nacken,..) kommen.

Würgehalsbänder
Die Verwendung von Würgeketten und –halsbänder führt zu Schäden an der Halswirbelsäule. Es kann zu Quetschungen des Kehlkopfes und zu Verletzungen der Muskulatur kommen. Einem Tier die Luft abzusperren und Schmerzen zu verursachen ist keine erzieherische Maßnahme die toleriert werden sollte. Wenn es sich um ein Würgehalsband mit Stopp handelt, muss das Halsband so groß sein, dass bei vollem Zug immer noch zwei Finger zwischen Hundehals und Halsband passen und dann stellt sich die Frage, wozu überhaupt ein Würgehalsband verwendet werden muss.
Diskscheiben/Wurfkette/Flying Teachbox (Klapperdosen)
Diskscheiben sind aufgefädelte, klappernde Metallscheiben. Bei Wurfketten handelt es sich um meist ca. 20 cm lange, rasselnde Metallketten. Bei der Flying Teachbox handelt es sich um eine Art Konservendose mit klappendem Inhalt und eingebautem Geräuschstopp. Alle drei „Wurfgeschosse“ sollen zum Abbruchverhalten bei einer gezeigten, unerwünschten Handlung des Hundes führen. Da Hunde jedoch sehr unterschiedlich darauf reagieren, kann es bei sensiblen Hunden einerseits zu Angstreaktionen kommen, andererseits kann sehr leicht eine falsche Verknüpfung entstehen. Da eine korrekte Anwendung schwierig ist und positiven Trainingsmethoden der Vorzug gegeben werden sollte, sollte auf den Einsatz verzichtet werden.


Auszug aus dem österreichischen Gesetzestext:

Verbot der Tierquälerei
§ 5. (1)

Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere wer:
"Stachelhalsbänder, Korallenhalsbänder oder elektrisierende, oder chemische Dressurgeräte verwendet oder technische Geräte, Hilfsmittel oder Vorrichtungen verwendet, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen.
Der Erwerb und der Besitz von diesen Gegenständen ist verboten"


Quelle: Schulungszentrum für Tierverhaltenstherapie und Erziehungsberatung TVT.e.U.

 

Die gängigsten (Un-) Dinge Teil 2

Hier finden Sie eine Übersicht über einige auf dem Markt befindlichen Erziehungshilfen und deren Verwendung

Antibellhalsband/Antibelltrainer/Ferntrainer Jet Care/
Multi(vet) Spray Commander/Vibrationstrainer/
Softtrainer/ Petsafe Pet Trainer/Dynavet Master Plus Ferntrainer/Multivet Spray Collar Antibell usw.
Wie auch immer der Name ist, es handelt sich dabei um Halsbänder, die, wenn der Hund bellt, entweder einen Sprühstoß bzw. einen schrillen Ton im Ultraschallbereich am Halsband abgegeben. Chemische „Dressurmittel“ sind in Österreich verboten!
Bei vielen Geräten gibt es keinen separaten Auslöser, der Sprühstoß wird über ein Mikrofon am Halsband des Hundes ausgelöst. Bei den Ultraschallgeräten hat der Mensch zusätzlich keine Kontrolle darüber, ob das Gerät richtig funktioniert. Außerdem werden diese Geräte manchmal auch durch andere Geräusche ausgelöst, nicht nur durch das Bellen des Hundes.

Stromreizgeräte

Hierbei bekommt der Hund einen elektrischen Impuls in vorher eingestellter Höhe.
Der Gebrauch solcher Geräte ist in Österreich verboten und generell abzulehnen.

"Unsichtbare Gartenzäune"
Diese Geräte sollen einen Hund davon abhalten, eine bestimmte "Grenze" zu überschreiten.
Diese Geräte sollen einen Hund davon abhalten, eine bestimmte „Grenze“ zu überschreiten. Sie funktionieren mittels eines Senders, der am Hundehalsband befestigt ist und einem Gegenstück (Kabel und Antenne) am „verbotenen Bereich“. Der Hund erhält entweder Druckluft, einen Spraystoß, ein Tonsignal oder einen Elektroimpuls. Chemische und elektr. „Dressurmittel“ sind in Österreich verboten!

Zu dieser Art von "Trainingsgeräten" verweisen wir ausdrücklich auf den Artikel von Clarissa von Reinhardt.
Köpfchen statt Knöpfchen [92 KB]


Teleclicker
Dies soll ein Clicker auf große Entfernung sein. Der Besitzer hält ein Sendegerät in der Hand, am Hundehalsband befindet sich das Empfängergerät. Richtig eingesetzt (wie der Clicker) möglicherweise in Ordnung, jedoch bei einem geschulten Hund nicht wirklich notwendig.

Beißkörbe
Richtig angeschnallt sollte er vom Hund nicht von der Nase gezogen werden können. Der Korb darf am Nasenspiegel, rund um die Schnauze und an den Knochenvorsprüngen seitlich und unterhalb der Augen nur locker anliegen und niemals einschneiden. Der Hund muss in der Lage sein, die Schnauze so weit zu öffnen, dass ungestörtes Hecheln und Trinken möglich ist.

Nylonmaulkorb
Laut Aussage von Dr. Daniela Lexer (Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Veterinärmedizinischen Universität Wien) wurde der Beißkorb aus Nylon als Zwangsmaßnahme für die tierärztliche Praxis entwickelt. Alltagstauglich sei er nicht. Der Nylonmaulkorb sitzt so eng, dass der Hund damit nicht mehr hecheln und Wasser trinken kann. Zwei Verhaltensweisen, die, laut Tierschutzgesetz, mit Maulkorb möglich sein müssen. Besonders im Sommer und bei herzkranken Tieren ist der Nylonmaulkorb abzulehnen.

Halsbänder
Der Hals ist beim Hund, wie auch beim Menschen, eine sehr empfindliche Stelle.
91% der Hunde, die Schäden an der Halswirbelsäule aufweisen, waren dem Leinenruck und/oder dem starken Ziehen an der Leine in Verbindung mit einem Halsband ausgesetzt. Viele Hunde haben dadurch auch Probleme im Halsbereich, viele bekommen Kopfschmerzen, Schluckstörungen und Probleme an Kiefer und Zunge. Wenn schon Halsbänder, dann sollten diese breit sein und zwei Finger zwischen Hundehals und Halsband Platz lassen.

Brustgeschirre
Ein Brustgeschirr ist die beste, „sanfteste“ und gesündeste Art einen Hund zu führen. Das Argument, dass ein Hund mit Brustgeschirr seine Kraft besser einsetzen kann hat erstens nur Gültigkeit, wenn der Hund das Gehen an der lockeren Leine nicht beherrscht und zweitens geht es bei Erziehung ja wohl um mehr, als ein gegenseitiges Kräftemessen. Außerdem wirken sich Brustgeschirre oft positiv auf das Hundeverhalten aus. So mancher Hund, der stark an der Leine zog, hörte nach Anlegen eines Brustgeschirrs damit auf. Hunde, die bei Halsbändern oft einen „harten Nacken“ als Schutz vor Verletzungen gebildet hatten, wurden weicher und sanfter. Dies, weil Anspannung, Reizbarkeit und aggressives Verhalten gekoppelt sind. Brustgeschirre sollten ebenfalls breit, gepolstert und mehrfach verstellbar sein.

Leinen

Schleppleine

Schleppleinen sind ein wunderbares Hilfsmittel, wenn mit Hunden im Gelände trainiert werden soll, die noch nicht 100%ig auf ein Rufkommando kommen. An erster Stelle steht die Sicherheit des Hundes. Wenn die Gefahr besteht, dass der Hund auf eine Straße laufen könnte, ist dies das Mittel der Wahl. Wichtig ist jedoch, dass der Hund niemals in die Leine läuft. Auch hier sollte der Hundebesitzer das Training von einem gut ausgebildeten Trainer gezeigt bekommen.

Flexi-Leine
Wenn Hunde nur an Flexi-Leinen geführt werden besteht die Gefahr, dass sie niemals leinenführig werden. Ein bereits leinenführiger Hund kann jedoch, um ihm mehr Auslauf im Stadtgebiet zu ermöglichen, an einer Flexi-Leine geführt werden. Aber nur, sofern der Besitzer dennoch in „brenzligen“ Situationen die Kontrolle über den Hund behält. Ist der Hund einmal im Laufen und die Leine ausgezogen, besteht oft keine Möglichkeit mehr, den Hund zu sich zu holen. Weiters besteht Verletzungsgefahr, wenn ein Hund in vollem Tempo in die plötzlich stoppende Leine läuft. Vor allem bei der Kombination Halsband/Flexileine können dabei die Drosselvenen zugedrückt werden und es besteht große Gefahr für die Halswirbelsäule. Bei unsachgemäßer Handhabung es auch zu Verbrennungen kommen, wenn sich die Leine z.B. um die Beine eines Menschen schlingt oder Hundeführer in die Leine Greifen. Man sollte auch bedenken, dass Flexileinen von Fußgängern und Radfahrern oft nicht gut wahrgenommen werden.


Auszug aus dem österreichischen Gesetzestext:
Verbot der Tierquälerei
§ 5. (1)

Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.

Gegen Abs. 1 verstößt insbesondere wer:
"Stachelhalsbänder, Korallenhalsbänder oder elektrisierende, oder chemische Dressurgeräte verwendet oder technische Geräte, Hilfsmittel oder Vorrichtungen verwendet, die darauf abzielen, das Verhalten eines Tieres durch Härte oder durch Strafreize zu beeinflussen.
Der Erwerb und der Besitz von diesen Gegenständen ist verboten"

Quelle: Schulungszentrum für Tierverhaltenstherapie und Erziehungsberatung TVT.e.U.